Spreizfuß, Hammerzeh und Co.

„Der Fuß ist ein Kunstwerk aus 26 Knochen, 114 Bändern und 20 Muskeln“, wie einst schon der geniale Leonardo da Vinci treffend feststellte. Beim Gehen trägt ein Fuß unser einfaches Körpergewicht – beim Joggen ist es sogar das Zwei- bis Dreifache. Damit muss der Fuß jeden Tag bis zu 1.000 Tonnen Belastung ertragen. Im Laufe eines Menschenlebens legen die Füße durchschnittlich eine Strecke von ca. 120.000 Kilometern zurück. Briefträger, Kellner oder Ausdauersportler kommen häufig auf das Doppelte bis Dreifache. Kein Wunder also, dass unsere wichtigsten Gehwerkzeuge bei einer so großen Beanspruchung hin und wieder ihren Dienst versagen. Dr. med. Birger Thiel von den Orthopädischen Praxen am Bült hat für uns die wichtigsten Beschwerdebilder und Therapieformen rund um das Thema „Füße“ zusammengefasst.

 

Im Laufe seines Lebens entwickelt fast jeder Mensch Beschwerden an den Füßen. Häufige Ursachen sind Fehlstellungen, wovon es viele unterschiedliche Ausprägungen gibt. Die weitverbreitetste Fehlstellung ist der sogenannte „Hallux valgus“, bei dem die Großzehe nach außen abweicht. Dadurch können sich z.B. ein schmerzhafter innenseitiger Ballen, unangenehme Schwielen unter dem Fuß oder auch begleitende Krallen- bzw. Hammerzehen an den Kleinzehen bilden. Eine weitere unangenehme Folge kann ein heftiger „Nervenschmerz“, der sogenannten Morton Neuralgie, sein. Als Hauptursache gilt ein Spreizfuß bzw. die Veranlagung zu weichem Bindegewebe. Diese Art der Fehlstellung wird meist durch regelmäßiges Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen, spitz zulaufenden Schuhspitzen oder zu kleinem Schuhwerk begünstigt. Frauen sind übrigens sehr viel häufiger von Fehlstellungen der Füße betroffen als Männer.

 

Gefahr einer Arthrose

Das Fortschreiten der Fehlstellung kann therapeutisch mit Fußgymnastik, Barfußlaufen, Einlagen oder orthopädischem Schuhwerk aufgehalten werden – allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn die Fehlstellung über längere Zeit eine ungleichmäßige Belastung des Großzehengrundgelenkes bewirkt, droht die Gefahr, dass daraus eine Arthrose, der sogenannte „Hallux rigidus“, entsteht. Die Arthrose führt wiederrum zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung des Gelenkes und kann damit den gesamten Abrollvorgang im Fuß negativ beeinflussen. Die Folge sind Beschwerden an verschiedenen Stellen des Bewegungsapparates – z.B. den Kniegelenken oder der Wirbelsäule.

 

Beschwerdefrei dank Operation

Wenn trotz aller konservativen Maßnahmen die Schmerzen nicht in den Griff zu bekommen sind, kann eine Operation für Beschwerdefreiheit sorgen. Hier greifen die Mediziner auf viele unterschiedliche Vorgehensweisen zurück, die für den Laien bei der Eigenrecherche im Internet oder in anderen Quellen meistens nur schwer zu überblicken sind. Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt eine exakte Diagnostik vornehmen muss, bevor er weitere operative Schritte einleitet. Neben einer gründlichen klinischen Untersuchung gehört dazu immer ein Röntgenbild unter Gewichtsbelastung. Dabei muss der Spezialist verschiedene Messungen vornehmen, um die Fehlstellung bei einer späteren Operation komplett beseitigen zu können. Bis heute gibt es kein medizinisches Verfahren, mit dem sich alle Fehlstellungen beheben lassen. Ein erfahrener Fußchirurg bedient sich in der Regel einer Kombination aus mehreren operativen Methoden, um eine individuelle Versorgung der Vorfuß-Fehlstellungen sicherzustellen.

 

Schnellere Rückkehr in den Alltag

In der Vergangenheit verwendeten die Mediziner zur Stabilisierung oft einfache Schrauben oder Drähte, um den Fuß in seiner neuen Stellung zu fixieren. Heute greift die moderne Fußchirurgie auf innovative Operationsverfahren mit körperverträglichen Titanimplantaten zurück, die den Patienten eine sofortige Belastung nach dem Eingriff erlauben. Die Titanimplantate bewirken in einem ersten Schritt eine dreidimensionale Korrektur der Fehlstellung. Anschließend sorgen sie für eine winkelstabile Fixierung der Korrekturstellung. Der große Vorteil für die Patienten: Sie müssen sich in der Regel keiner zweiten Operation unterziehen, um die Implantate wieder entfernen zu lassen – und auch keinen Gips oder sogenannten „Hackenschuh“ bzw. Vorfußentlastungsschuh tragen. Damit ist den Betroffenen eine deutlich schnellere Rückkehr in Alltag und Beruf möglich.

 

Unser Experte

Dr. med. Birger Thiel ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, orthopädische Rheumatologie, spezielle orthopädische Chirurgie, Chirotherapie und Sportmedizin. Er ist ehemaliges Mitglied der deutschen Skinationalmannschaft und hat als Mannschaftsarzt mehrere Jahre die deutsche nordische Skimannschaft betreut. Gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. Schmitz-Nahrath, Dr. Maschke, Dr. Kleber, Prof. Miehlke und Dr. ter Steege ist er in den orthopädischen Praxen am Bült tätig. Die Orthopäden führen ambulante und stationäre Operationen im Evangelischen Krankenhaus Johannisstift Münster durch.

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