Wenn die Schulter schmerzt

Die Schulter ist das Gelenk mit dem größten Bewegungsumfang im menschlichen Körper. Um diesen Bewegungsradius voll ausschöpfen zu können, ist das Schultergelenk nicht wie ein festes, knöchernes Gerüst aufgebaut, sondern wird durch ein kompliziertes Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Kapseln und Bändern stabilisiert. Der Nachteil ist, dass die Schulter dadurch sehr verletzungsanfällig ist – und Erkrankungen häufig zu Störungen des natürlichen Bewegungsrhythmus der umgebenden Muskulatur führen. Dr. med. Martin Schmitz-Nahrath von den Orthopädischen Praxen am Bült 13 hat für uns die wichtigsten Krankheitsbilder und Therapieformen rund um das Thema „Schulter“ zusammengefasst.

 

Die Schulter besteht aus einem Oberarmkopf und steht in Verbindung mit der Schultergelenkspfanne, die am Schulterblatt liegt. Nach oben läuft das Schulterblatt in das Schulterdach aus. Die vier Hauptmuskeln, die den Oberarmkopf in der Pfanne halten, werden als Rotatorenmanschette bezeichnet. Diese Muskeln setzen am Schulterblatt an und ziehen zum Oberarmkopf. Die Sehnen der Rotatorenmanschette ermöglichen uns, die Schulter zu heben und nach innen oder nach außen zu rotieren. Die Manschette ist wichtig, um den Oberarmkopf innerhalb der Gelenkpfanne zu halten, insbesondere während der normalen Schulterfunktion. Darüber hinaus sorgt sie für die nötige Stabilität und verhindert das Ausrenken des Schultergelenkes. Wenn es zu Reizerscheinungen kommt, ist meistens die sogenannte Supraspinatus-Sehne betroffen, die zwischen Schulterdach und Oberarmkopf „aufgerieben“ wird.

 

Arthroskopie des Schultergelenkes

Die Arthroskopie bzw. Gelenksiegelung ist ein modernes, schonendes Verfahren und erlaubt den Patienten, ihre gewohnte Mobilität schnell wieder zu erlangen. Komplikationen treten sehr selten auf. Bei einer Arthroskopie befindet sich der Patient in halbsitzender Position und hat die Knie angewinkelt – ähnlich wie in einem Liegestuhl. Der Oberkörper wird so nah am Rand des Behandlungstisches platziert, dass der Oberarm ungehindert neben der Tischkante abgesenkt werden kann. Nun punktiert der Orthopäde das Gelenk nach einem etwa 0,5 cm langen Einstich zunächst mit einer stumpfen Sonde und füllt es mit einer sterilen und meist elektrolythaltigen Spüllösung auf. Danach führt er eine Spezialoptik in die Sonde ein und stellt die gesamte Gelenkhöhle mit Hilfe einer Kamera auf einem Bildschirm dar. Anhand eines kleinen Taststabs können alle Gelenk-Strukturen – z.B. Knorpel, Gelenkschleimhaut, Kapselstrukturen, lange Bizepssehne etc. – genau untersucht und eventuell Gewebeproben entnommen werden. Kleinere Beeinträchtigungen wie Knorpelschäden, störende Schleimhautwucherungen oder freie Gelenkkörper lassen sich anschließend minimalinvasiv ohne „große Schnitte“ beheben.

 

Engpass-Syndrom

Das Engpass-Syndrom oder Impingement-Syndrom der Schulter bildet sich zwischen Schulterdach und Oberarmkopf aus. An dieser Stelle werden eine oder mehrere Sehnen der Rotatorenmanschette eingeklemmt und zunehmend gereizt. Bei längerem Bestehen kann es zu Abrieb und Rissbildung der Sehne kommen. Als unangenehme Folge treten Schmerzen beim Abspreizen des Armes und beim „Schürzengriff“ auf. Damit ist das Greifen nach hinten ähnlich wie beim Schürzenbinden gemeint. Zunächst versucht der Orthopäde, mit Hilfe von Medikamenten, äußerlichen Therapieanwendungen, Dehnungsübungen und Cortisonspritzen die gestörte Funktion durch Reizminderung zu beheben. Wenn diese Maßnahmen nicht greifen, sollte man eine Gelenkspiegelung in Betracht ziehen.

Ausgekugelte Schulter

Eine Luxation bzw. ein Auskugeln des Schultergelenkes tritt sehr häufig auf. Dabei kann es zu Rissen bestimmter Sehnen, der Gelenklippe, -kapsel und -pfanne, zu Knochenbrüchen und Dellen im Oberarmkopf kommen. Häufig lösen Luxationen ungewünschte Instabilitäten der Schulter aus, die Schmerzen und erneute Auskugelungen verursachen. Mit Hilfe der Gelenkspiegelung kann ein Orthopäde die Schäden minimalinvasiv beheben. Zur Befestigung wird ein resorbierbarer Dübel verwendet. Resorbierbar heißt, dass der Körper den Dübel nach einigen Monaten, wenn alles verheilt ist, von selbst auflöst.

 

Schulterprothesen

Künstliche Schultergelenke werden bei Patienten eingesetzt, deren Lebensqualität durch starke Schmerzen deutlich beeinträchtigt ist – und in deren Röntgenbild eine Zerstörung des Gelenkes deutlich erkennbar ist. Die Schmerzfreiheit bei künstlichen Gelenken können Orthopäden dadurch erreichen, dass der Gelenkkontakt nach dem Verlust des Knorpels durch eine künstliche Gelenkfläche ersetzt wird. Die heute verfügbare „dritte Generation“ von Schulterprothesen ermöglicht ihnen einen sicheren Einsatz mit guten postoperativen Ergebnissen. Ein komplett künstliches Gelenk erfordert eine sorgfältige Rekonstruktion der Weichteile. Hier hat sich besonders die sogenannte „Neer 2“-Prothese bewährt. Sie besteht aus einer Edelstahllegierung. Die Kopfstärke der Prothese, der Schaftdurchmesser und die Schaftlänge sind unterschiedlich und können individuell angepasst werden.

 

Unser Experte

Dr. med. Martin Schmitz-Nahrath ist Facharzt für Orthopädie, Akupunktur, Chirotherapie, physikalische Medizin, Sportmedizin und MRT-Diagnostik. Gemeinsam mit fünf Kollegen betreibt er die Orthopädischen Praxen am Bült 13.

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