Schulteranatomie

 

 

Die Schulter ist das Gelenk mit dem größten Bewegungsumfang im menschlichen Körper. Um diesen Bewegungsradius zu ermöglichen, verfügt das Schultergelenk nicht über ein festes knöchernes Gerüst, sondern wird durch ein kompliziertes Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Kapseln und Bändern stabilisiert. Diese macht die Schulter besonders verletzungsanfällig und Erkrankungen führen häufig zu Störungen des natürlichen Bewegungsrhythmus der umgebenden Muskulatur. Links sehen Sie ein normales Röntgenbild einer Schulter.

 
 

Die Schulter besteht aus einem Oberarmkopf (Humeruskopf, der Kugel am Ende des Oberarmes) und steht in Verbindung mit der Schultergelenkspfanne (Glenoid), die am Schulterblatt liegt. Nach oben läuft das Schulterblatt in das Schulterdach aus. Die 4 Hauptmuskeln (M. supraspinatus, infraspinatus, subskapularis und teres minor), die den Oberarmkopf in der Pfanne halten, werden als Rotatorenmanschette bezeichnet.

 

Diese Muskeln setzen an dem Schulterblatt an und ziehen zum Oberarmkopf. Die Sehnen der Rotatorenmanschette ermöglichen uns, die Schulter zu heben und nach innen oder nach außen zu rotieren. Die Rotatorenmanschette ist wichtig, um den Humeruskopf innerhalb der Gelenkpfanne zu halten, besonders während der normalen Schulterfunktion. Außerdem spielt sie eine Rolle für die Schulterfestigkeit und verhindert so das Ausrenken des Schultergelenkes. Oft kommt es zu Reizerscheinungen besondes der Sehne, die zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf gerieben wird (Supraspinatussehne).

Schulterspiegelung

Arthroskopie des Schultergelenkes

 

Arthroskopie gleich Gelenkspiegelung.

 

Die Lagerung des Patienten erfolgt in halbsitzender Position mit angewickelten Knien wie in einem Liegestuhl, der Oberkörper wird soweit an den Tischrand gelagert, dass der Oberarm ungehindert neben der Tischkante abgesenkt werden kann. Bei einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) des Schultergelenkes wird nach einem etwa 0,5 cm langen Einstich das Gelenk zunächst mit einer stumpfen Sonde punktiert und mit einer sterilen und meist elektrolythaltigen Spüllösung aufgefüllt. Danach wird eine Spezialoptik in die Sonde (trokar) eingeführt und die gesamte Gelenkhöhle mittels einer Kamera auf einem Fernsehbildschirm dargestellt.

 

Durch einen weiteren kleinen Einstich wird ein Taststab in das Gelenk eingeführt und alle Strukturen des Gelenkes, wie Knorpel, Gelenkschleimhaut, Kapselstrukturen, lange Bizepssehne, Rotatorenmanschette etc. werden genau untersucht. Falls nötig können jetzt auch Gewebsproben entnommen werden. Folgende Veränderungen können dabei auch durch diesen oder weitere kleinste Hautschnitte behandelt werden (arthroskopische Operation): Knorpelschäden, Entfernung von störenden Schleimhautwucherungen, Entfernung freier Gelenkkörper, Refixierung des abgerissenen Faserringes am Gelenkpfannenrand (Schulterinstabilität, Luxation), Kapselraffung und Erweiterungsmaßnahmen bei Engpasssyndromen (Impingementsyndrom). Siehe auch hierzu unter den Themen Schultergelenk links im Menue nähere Informationen.

 

Die Arthroskopie ist ein modernes und schonendes Verfahren, mit der die Bewegungs- und Arbeitsfähigkeit sehr schnell wieder hergestellt werden kann. Die Narkoseform können Sie direkt mit dem Narkosearzt abstimmen. Komplikationen treten bei diesem Verfahren sehr selten auf. Die können sein z.B. Gelenkinfektion, Gefäß- oder Nervenverletzungen, Nachblutung oder Ergussbildung im Gelenk mit erforderlicher Nachpunktion oder Re-Arthroskopie.

 

Auf dem Bild ist ein Blick über die Kamera in das Schultergelenk zu sehen.

Engpasssyndrom

Engpasssyndrom (Impingement-Syndrom)

 

Das Engpass-Syndrom oder Impingement-Syndrom der Schulter bildet sich zwischen Schulterdach und Oberarmkopf aus. An dieser Stelle wird eine oder mehrere Sehnen der Rotatorenmanschette eingeklemmt und zunehmend gereizt. Bei längerem Bestehen kann es zu Abrieb und Rissbildung der Sehne kommen. Es bestehen dann Schmerzen beim Abspreizen des Armes und beim Schürzengriff (das Greifen nach hinten wie bei dem Schürzenbinden).

Zunächst wird mit Medikamenten, äußerlichen Therapieanwendungen, Dehnungsübungen und bei Versagen evtl. Cortisonspritzen versucht die gestörte Funktion durch eine Reduktion des Reizzustandes wiederherzustellen.

Wenn diese Maßnahmen nicht erfolgreich sind, sollte die Möglichkeit einer Gelenkspiegelung erwogen werden. Im Rahmen der Spiegelung kann dann mit einer Fräse der knöcherne Raum erweitert werden, so dass die Sehne wieder freier gleiten kann.

Auf dem Bild sieht man links einen Knochensporn des Schulterdaches, der auf dem rechten Bild durch eine kleine Fräse entfernt wurde.

Schulterluxation

Schulterluxation

 

Luxation gleich Auskugeln des Gelenkes.

 

Das Auskugeln des Gelenkes passiert an der Schulter am häufigsten von allen Gelenken und meistens nach vorne.

 

Beim Auskugeln des Schultergelenkes kann es zu Rissen der Gelenklippe (Labrum glenoidale) und der Pfanne des Schultergelenkes (Bankart Läsion) kommen. Weiterhin können Sehnen sowie die Gelenkkapsel reißen. Neben Knochenbrüchen entstehen häufig auch Dellen in dem Oberarmkopf auch Hill-Sachs Läsion genannt.

 

Auf dem Bild ist ein Riss der Gelenklippe zu sehen.

 

 

Instabilitäten der Schulter

Nach Luxationen entstehen oft Instabilitäten der Schulter mit Schmerzen und erneuten Auskugelungen. Die Schäden durch die erste Luxation sind hierfür die Ursache.

 

Mit einer Gelenkspiegelung kann dann minimalinvasiv der Schaden behoben werden.

 

 

Resorbierbarer Dübel

Zur Befestigung wird ein resorbierbarer Dübel verwendet. Resorbierbar heißt, dass der Körper den Dübel nach einigen Monaten, wenn alles angewachsen ist, auflöst.

Schultersehnenrisse

Schultersehnenrisse

 

Sehnenrisse der Schulter betreffen meistens die Sehne des Muskulus supraspinatus. Die Ursache ist ein Sehnenverschleiß, der durch ein Engpass-Syndrom oder Impingement-Syndrom der Schulter verursacht wird. Das Impingement-Syndrom bildet sich zwischen Schulterdach und Oberarmkopf aus.

 

An dieser Stelle wird eine Sehne (M. Supraspinatussehne) eingeklemmt und zunehmend gereizt. Bei längerem Bestehen kann es zu Abrieb und Rissen der Sehne kommen. Es bestehen Schmerzen beim Abspreizen des Armes und beim Schürzengriff (greifen nach hinten zum Schürzenbinden).

 

Zunächst wird mit Medikamenten und Krankengymnastik versucht die gestörte Funktion wieder herzustellen.

 

Wenn diese Maßnahmen nicht efolgreich sind, sollte die Möglichkeit einer Gelenkspiegelung erwogen werden. Im Rahmen der Spiegelung kann dann mit einer Fräse der köcherne Raum erweitert werden, so dass die Sehne wieder freier gleiten kann. Ausgedehnte Risse müssen durch eine Naht der Sehne versorgt werden. Wenn die Sehne zu stark geschädigt ist, kann eine Glättung der Sehne die bessere Methode sein.

 

Auf dem Bild sind Anker gezeigt, mit deren Hilfe die Sehne erneut im Oberarmknochen verankert wird.

Gelenkersatz

Das künstliche Schultergelenk (Schulterprothese)

 

Künstliche Gelenke werden bei Patienten eingebaut, die einen deutlichen Verlust an Lebensqualität durch Schmerzen haben und in deren Röntgenbild eine Zerstörung des Gelenkes erkennbar ist. Auf dem Bild ist eine Verschmälerung des Spaltes zwischen Kopf und Pfanne, eine Kopfentrundung und eine Knochenverdichtung des Kopfes zu sehen.

 

Ein normales Röntgenbild können Sie unter der Rubrik Anatomie sehen. Die Schmerzfreiheit bei künstlichen Gelenken wird dadurch erreicht, dass der Gelenkkontakt nach dem Verlust des Gelenkknorpels durch eine künstliche Gelenkfläche ersetzt wird. Fortschritte in der Entwicklung der Prothetik haben deutliche Verbesserungen erbracht. Die heute verfügbare dritte Generation von Schulterprothesen bietet einen sicheren Anbau mit guten postoperativen Ergebnissen. Ein komplett künstliches Gelenk erfordert eine sorgfältige Rekonstruktion der Weichteile. Eine häufig angewandte Prothese ist die sogenannte Neer 2 Prothese.

 

Sie besteht aus einer Edelstahllegierung. Die Kopfstärke der Prothese, der Prothesenschaftdurchmesser und die Schaftlänge sind verschieden und können individuell angepasst werden. Wichtig ist dabei der Erhalt von Muskeln und Sehnen und Kapselansatzpunkten mit der Rekonstruktion der Sehnen-Muskelmanschette (Rotatorenmanschette).

 

Prothesentypen

Man unterscheidet zwischen einer kompletten Schulterprothese, sogenannte TEP (Oberarmkopf- und Pfannenersatz) und einer sogenannten Hemiprothese (Oberarmkopfprothese). Weiterhin unterscheidet man zwischen einer zementierten und einer zementfreien Schulterprothese. Die Implantation einer Totalendoprothese (TEP) ist bei chronischem Gelenkverschleiß mit Beteiligung der Pfanne und bei Gelenkverschleiß mit Abflachung der Pfanne die Regel.

 

Auf dem Bild wird eine zementierte Oberarmkopfprothese gezeigt.

 

Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Die Lagerung des Patienten in halbsitzender Position mit angewinkelten Knien wie in einem Liegestuhl, der Oberkörper wird soweit an den Tischrand gelagert, so dass der Oberarm ungehindert neben der Tischkante abgesenkt werden kann. Der Zugang erfolgt entweder an der vorderen Außenseite der Schulter oder im hinteren Bereich der Schulter. Nach Hautschnitt und Präparation der Muskelsehne erfolgt die Oberarmkopfresektion mit Hilfe einer Resektionslehre und anschließend Präparation des Markraumes sowie der Pfanne. Je nach Prothesentyp wird evtl. noch die Pfanne gefräst und anschl. die entsprechende Prothese implantiert.

 

Die Nachbehandlung umfasst:

  1. Frühe passive vorsichtige Übungsbehandlung
  2. Aktive Übungen nach 3 bis 4 Wochen

 

Die Behandlung ist langwierig und dauert 3 bis 6 Monate. Etwa 50 % der Patienten werden schmerzfrei, die übrigen deutlich schmerzärmer. Die Schmerzlinderung führt in vielen Fällen zu einer Ausnutzung der gesamten Schultergelenksfunktion. Die Beweglichkeit des Armes bleibt jedoch nach dem Eingriff eingeschränkt. Eine völlige Wiederherstellung ist nicht zu erwarten.