Wirbelsäule

 

 

Die Orthopädie hat sich auf die Behandlung von Rückenschmerzen spezialisiert und viele Techniken zur Behandlung entwickelt. Die meisten unserer Patienten leiden an Wirbelsäulenerkrankungen, deshalb haben wir zur Behandlung breit gefächerte Therapiemöglichkeiten.

 

12% der Bevölkerung leiden täglich an Rückenschmerzen, 25% der Bevölkerung gehen mindestens einmal im Jahr zum Arzt aufgrund von Rückenbeschwerden.

 

Links im Menü finden sie eine kleine Auswahl der Erkrankungen oder Probleme, die wir behandeln.

 

Die Rubrik "Anatomie" soll Ihnen einen kurzen Überblick über den Aufbau der Wirbelsäule geben.

Anatomie

Die Wirbelsäule weist eine Vielzahl anatomischer Strukturen auf engstem Raum auf. Als größte knöcherne Struktur sind die Wirbelkörper zu nennen, zwischen denen sich die Bandscheiben befinden.

 

An der Halswirbelsäule gibt es 8 Wirbelsegmente, an der Brustwirbelsäule 12 Wirbelsegmente, an der Lendenwirbelsäule 5 Wirbelsegmente mit dazwischen liegenden Bandscheiben.

 

 

 

Die Bandscheiben sind das Puffer- oder auch Federungssystem der Wirbelsäule und federn Stoßbelastungen ab. Die Bandscheibe besteht aus einem Faserring mit einem Gallertkern, der einen Flüssigkeitspuffer darstellt.

 

 

Hinten aus dem Wirbelkörper zieht der Wirbelbogen, an dem die Gelenkfortsätze für die kleinen Wirbelgelenke (WG) angeheftet sind. Diese kleinen Wirbelbogengelenke werden auch Facettengelenke genannt und sind neben der Bandscheibe für die Segmentbeweglichkeit der Wirbelsäule von entscheidender Bedeutung. Am Wirbelbogen ist seitlich der Querfortsatz (QF) rechts und links befestigt und nach hinten hin der Dornfortsatz (DF), der auch durch die Haut zu tasten ist. In dem Wirbelkanal läuft das Rückenmark mit den Spinalnerven.

 

An den Dornfortsätzen und den Querfortsätzen sind die Muskeln befestigt, die für die Beweglichkeit der Wirbelsäule wichtig sind. Neben den Muskeln, die zwischen den Dorn- und Querfortsätzen sowie auch mehrere Quer- und Dornfortsätze überbrückend , bis an die Rippen ziehen, gibt es noch Bandstrukturen, die für die Stabilität der Wirbelsäule von entscheidender Bedeutung sind. Wichtig sind hierbei das vordere Längsband, was vor den Wirbelkörpern lokalisiert ist, und das hintere Längsband, was hinter dem Wirbelkörper im Rückenmarkskanal läuft. Zwischen den Bogen hinten läuft das gelbe Band. Des weiteren gibt es noch Bänder zwischen den Dornfortsätzen und Bänder zwischen den Querfortsätzen. Im Bereich der BWS setzen an den Querfortsätzen die Rippengelenke mit den Rippen an, die nach vorne bis zum Brustbein ziehen und den knöchernen Brustkorb bilden. Auf dem Bild sieht man die Nerven (gelb), die aus dem Rückenmark nach außen ziehen, sie werden Spinalnerven genannt.

Banscheibenvorfall

Bandscheibenoperation

Operativ kann ein Bandscheibenvorfall minimalinvasiv in der Mikrotechnik oder endoskopisch entfernt werden. Hierzu wird ein ca. 2 bis 4 cm langer Hautschnitt über den Bandscheibenbereich gelegt. Ein spezieller Spreizer (schwarz) wird eingesetzt und das Unterhautfettgewebe und die Rückenmuskulatur nach außen geschoben und zwischen den Wirbelbögen ein Band entfernt (das gelbe Band).

 

Spinalkanal

Nun ist man direkt im Rückenmarkkanal (Spinalkanal), so dass man den Rückenmarkschlauch zur Seite schieben und den Bandscheibenvorfall mit einer Zange greifen und entfernen kann. Komplikationen sind insgesamt selten. Neben allgemeinen Operationsrisiken wie Wundinfektion, Wundheilungsstörung, Thrombose etc. kann es in seltenen Fällen bei der Bandscheibenoperation zu Nervenschädigungen, Instabilitäten oder reduzierter Beweglichkeit kommen. Des weiteren besteht die Gefahr vom Austritt von Rückenmarksflüssigkeit und Vernarbungen, welche eine Spinalnervenreizung verursachen kann.

 

Falls Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich ggf. an uns.

 

Nach der Operation ist das Bein meistens wieder schmerzfrei, die Rückbildungen von Taubheitsgefühlen und Muskellähmungen können allerdings etwas Zeit in Anspruch nehmen, bei länger bestehenden Lähmungen besteht auch die Gefahr, dass die Muskelkraft nicht vollständig wiederhergestellt wird. Die kleine Wunde ist nach 12 bis 14 Tagen verheilt. Insgesamt sollte man sich nach der Operation für 6 Wochen schonen, wenn möglich, wird von uns eine Rehabilitationsmaßnahme empfohlen. Ab der sechsten postoperativen Woche sollte ein zunehmendes Muskelaufbautraining zur Stabilisierung des Operationsergebnisses erfolgen. Zur Vermeidung von Verwachsungsbeschwerden postoperativ wird während der Operation ein spezielles Medikament eingespritzt (Adcon L), welches die Narbenbildung verringert.

Bandscheibenverschleiss

 

Durch die mechanische Belastung kommt es in zunehmendem Alter zu zunehmenden Bandscheibenschädigungen, die zunächst mit Veränderungen des Wassergehaltes beginnen. Diese Veränderungen kann man im Röntgen durch eine Höhenminderung des Zwischenwirbelraumes oder durch Schichtaufnahmen (Magnetresonanztomographien) nachweisen. Der Wasserverlust der Knorpelgrundsubstanz führt zu einer verminderten Stabilität in dem betroffenen Bewegungssegment. Eine Instabilität (Wirbelgleiten) führt zu zunehmenden Beschwerden, die zunächst durch intensiven Muskelaufbau behandelt werden sollten.

 

Bei einem Fortschreiten der Instabilität und zunehmendem Verschleiß reagieren auch die Wirbel mit zunehmenden Knochenverdichtungen (Osteochondrose). Diese Veränderungen kann man neben der Instabilität auf dem Röntgenbild erkennen. Wenn eine größere Operation (Versteifung oder Bandscheibenprothese) vermieden werden soll, haben wir die Möglichkeit eine Hitzebehandlung der Bandscheibe durchzuführen. Voraussetzung für diese Behandlung ist, dass ein Betäubungsmittel in die Bandscheibe gespritzt und ein typischer Bandscheibenschmerz ausgelöst wird.

 

Wenn man durch diese Spritze die Ursache der Schmerzen im Bandscheibenbereich identifiziert hat, kann man durch eine Nadel eine Sonde einführen, die die Schmerznerven der Bandscheibe abtötet. Durch die Hitze kommt es gleichzeitig zu einer Verdichtung der Knorpelfasern der Bandscheibe, wodurch die Stabilität der Bandscheibe erhöht wird. Falls diese Behandlung langfristig nicht zum gewünschten Erfolg führt, kann ein flexibler Fixateur (siehe Instabilität) oder eine Versteifungsoperation in diesem Bewegungssegment durchgeführt werden. Wenn durch die verschlechterte Funktion der Bandscheibe auch die kleinen Wirbelgelenke in Mitleidenschaft gezogen sind, ist auch dort eine Hitzebehandlung der Nerven der kleinen Wirbelgelenke sinnvoll (siehe auch kleine Wirbelgelenke).

 

 

Auf dem Bild sieht man eine Schichtaufnahme des Wirbels und eine Nadel auf der rechten Seite, durch die ein Schmerzmittel  gespritzt wird.

 

Bei verschlissener Bandscheibe wird die Bandscheibe ersetzt und durch Schrauben fixiert (Bild 2).

Osteoporose

 

Die Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der durch Knochensubstanzverlust eine erhöhte Brüchigkeit des Knochens resultiert. Neben speziellen Formen der Osteoporose sind Frauen konstitutionell häufiger betroffen als Männer. Typisch ist ein Verlust der Körpergröße und ein zunehmender Rundrücken. Neben vererbungsabhängigen Risiken (genetische Disposition) sind z. B. mangelnde Bewegung oder kalziumarme Ernährung Risikofaktoren für die Entstehung einer Osteoporose. Unterschieden werden muss die Osteoporose von der Osteomalazie, die eine Störung im Vitamin-D-Haushalt als Ursache hat. Neben zunächst auftretenden Knochenschmerzen im Wirbelsäulenbereich, kann man eine zunehmende Knochenentkalkung tendenziell am Röntgenbild erkennen. Zur genaueren Diagnostik müssen aber Knochendichtemessungen durchgeführt werden, für die es verschiedene Methoden gibt. Siehe hier auch unter "Diagnostische Möglichkeiten" links im Menue unsere Möglichkeit der Knochendichtemessung nach der Dexa-Methode.

 

Reparatur durch Medikamente

Wenn die Knochendichtemessung eine verminderte Knochendichte ergeben hat, sollte zunächst auf eine kalizumreiche Ernährung und ausreichend Bewegung geachtet werden. Zusätzlich können Vitamin-D-Präparate durch den Arzt verordnet werden. Neben dem Vitamin D werden Fluor, Bisphosphonate, Oestrogene und Testosteron zur medikamentösen Behandlung der Osteoporose eingesetzt.

 

Bruch bedingt durch die Osteoporose

Wenn es bedingt durch die Osteoporose zu einem Bruch gekommen ist, ist dieser meistens an der Wirbelsäule lokalisiert. Ausgelöst wird der Bruch eventuell durch ein geringfügiges Trauma, es kommt häufig auch zu spontanen Brüchen bei alltäglichen Bewegungen.

Wirbelbruch

Bei einem Wirbelbruch ist es wichtig zu klären, ob die Gefahr der Schädigung des Rückenmarks, welches neben den Wirbeln läuft, besteht. Wenn die Gefahr besteht oder es sogar zu Nervenschädigungen durch den Bruch gekommen ist, sollte eine operative Versorgung erfolgen. Bei einem Bruch ohne die Gefahr einer Rückenmarksschädigung ist es wichtig, dass der Patient möglichst schnell mobilisiert wird. Hauptproblem bei der erneuten Mobilisation des Patienten sind die starken Schmerzen, die eine Belastung der Wirbelsäule nur beschränkt möglich machen. Hierzu haben wir die Möglichkeit bei ca. 2-3 Wochen alten Frakturen Knochenzement in den Wirbel einzuspritzen, um diesen zu stabilisieren. Bei frischen Brüchen ist die Gefahr, dass Knochenzement unkontrolliert austritt, zu hoch. Bei diesem Verfahren, welches auch Vertebroplastie oder Kyphoplastie genannt wird, werden unter Röntgenkontrolle zwei Nadeln in Narkose in den Wirbel eingeführt. Dann wird unter Röntgenkontrolle der Zement eingespritzt. Nach Aushärten des Zementes (ca. 30 Minuten) besteht in der Regel eine deutliche Schmerzreduktion, so dass eine bessere Belastbarkeit des Patienten erreicht wird.

Wirbelkörperbruch

 

Es kann spontan zu Brüchen der Wirbelkörper kommen. Dies ist meist Folge einer Osteoporose (siehe hierzu unter Kapitel Osteoporose). Wenn es sturzbedingt zu einem Wirbelkörperbruch gekommen ist, tritt dieser meist im Bereich des letzten Brustwirbels oder des ersten Lendenwirbels auf. Das liegt daran, dass die Wirbel im Lendenbereich nach unten hin kräftiger werden und die Brustwirbel durch die Rippen des Brustkorbes zusätzlich stabilisiert werden. Somit sind der 12. Brustwirbel und der 1. Lendenwirbel das schwächste Bewegungssegment in diesem Bereich. Meist handelt es sich um Stauchungsbrüche durch Sport- , PKW- oder andere Unfälle. Bei aufgetretenen Wirbelbrüchen muss zunächst durch Röntgenschichtaufnahmen geklärt werden, ob eine Gefährdung des Rückenmarks durch Knochenfragmente gegeben ist.

 

Instabile Brüche

Diese Gefährdung besteht bei Brüchen, die nicht stabil sind, so dass Knochenfragmente auch schon durch kleinere Bewegungen in das Rückenmark gedrückt werden können. Wenn diese Gefahr besteht, muss eine Stabilisierung der Wirbelsäule durch eine Operation erfolgen. Diese Operation wird von hinten durchgeführt, dazu werden Schrauben in dem darüber und darunter liegenden Wirbel verankert und mit einer Stange stabilisiert. Nach Ausheilen des Bruches kann das Metall nach einem dreiviertel Jahr entfernt werden. Sollte durch Knochenfragmente das Rückenmark bereits beschädigt sein, ist eine möglichst schnelle Operation notwendig, um bleibende Schädigungen zu verhindern. Dies ist leider nicht in allen Fällen möglich, sollte aber auf jeden Fall versucht werden.

 

Wenn es zu schweren Deformierungen des Wirbelkörpers gekommen ist, kann eine Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe erforderlich sein. Hierzu muss allerdings von vorne der Defekt am Wirbelkörper wieder aufgebaut werden. Dies ist günstig für den Patienten, da eine Achsfehlstellung an der Wirbelsäule langfristig Verschleiß bedingte Schädigungen der Strukturen der Nachbarsegmente nach sich zieht. Diese Achskorrektur kann auch nach dem Ausheilen des Bruches erfolgen.

Kyphoplastie

 

Wenn es sturzbedingt zu einem Wirbelkörperbruch gekommen ist, tritt dieser meist im Bereich des letzten Brustwirbels oder des ersten Lendenwirbels auf. Das liegt daran, dass die Wirbel im Lendenbereich nach unten hin kräftiger werden und die Brustwirbel durch die Rippen des Burstkorbes zusätzlich stabilisiert werden. Somit sind der 12. Brustwirbel und der 1. Lendenwirbel das schwächste Bewegungssegment in diesem Bereich. Meist handelt es sich um Stauchungsbrüche durch Sport- , PKW- oder andere Unfälle.

 
 
  1. Die Kyphoplastie ist eine minimalinvasive Methode zur Stabilisierung des Wirbelbruches mit Zement. In einigen Fällen gelingt auch eine Korrektur der Fehlstellung des Wirbels. Es wird hierbei ein kleines Röhrchen durch die Haut in den Wirbelkörper eingebracht und ein Ballon in dem Wirbelkörper aufgepumpt. Für diese Methode sind nur zwei Einstiche der Haut nötig und der Patient kann am ersten Tag nach der Operation schon wieder aufstehen und hat deutlich weniger Schmerzen.
  2. In die Höhle die der Ballon eröffnet wird Zement eingespritzt, der den Wirbel stabilisiert und die Schmerzen lindert.
  3. Auf dem Röntgenbild sieht man zuerst den keilförmig zusammengebrochenen Knochen und darunter den stabilisierten Knochen mit dem weißen Zement.

 

Kreuzdarmbeingelenk

 

Das Kreuz-Darmbeingelenk bildet den Übergang von Wirbelsäule (Kreuzbein) und Darmbein und ist eine häufige Ursache von Rückenbeschwerden. Oft strahlt das Kreuz-Darmbeingelenk auf höhere Wirbelsäulenabschnitte aus. Da das Kreuz-Darmbeingelenk den Übergang von der Wirbelsäule in das Becken darstellt, kann es hier vielfältig zu Funktionsstörungen kommen.

 

Oft verkantet sich das Gelenk und führt infolge dessen zu Schmerzen im Bereich des Kreuz-Darmbeingelenkes und dem Gesäß. Gelegentlich kommt es auch zu einer Schmerzausstrahlung in den Oberschenkel hinten-außen, bis in die Wade ziehend. Hierbei muss der Schmerz des Kreuz-Darmbeingelenkes dann von einem Bandscheibenschmerz unterschieden werden. Die Behandlung der Funktionsstörung des Kreuz-Darmbeingelenkes besteht in einer chirotherapeutischen Manipulation des Kreuz-Darmbeingelenkes.

 

Hierbei wird durch einen Bewegungsimpuls versucht, das verkantet stehende Gelenk in seine normale Position zurückzudrücken. Weiterhin werden Schmerzinfiltrationen, krankengymnastische Mobilisationen, Wärme- und Reizstromtherapie zur Behandlung eingesetzt. Wichtig ist auch die Abklärung, ob ein Beinlängenunterschied besteht, da dieser durch eine asymmetrische Belastung der Kreuz-Darmbeingelenke auch Beschwerden verursachen kann.

kleine Wirbelgelenke

 

Es gibt in jedem Bewegungssegment ein rechtes und ein linkes Facettengelenk, welches zusammen mit der Bandscheibe den Bewegungsumfang in dem entsprechenden Wirbelsegment steuert. Die kleinen Wirbelgelenke sind dabei eine häufige Ursache von Beschwerden, hauptsächlich an der Halswirbel- und der Lendenwirbelsäule. Durch die mechanische Belastung kommt es mit zunehmendem Alter zu einer Schädigung des Gelenkknorpels. Diese Schädigung des Gelenkknorpels wird verursacht z. B. durch eine vermehrte Fehlhaltung im Sinne eines Hohlkreuzes. Im Hohlkreuz werden die Facettengelenke im Lendenwirbelbereich verstärkt zusammengepresst und durch diesen ständigen erhöhten Druck ergibt sich eine zunehmende Knorpelzerstörung. Fehlbelastungen im Sinne eines Hohlkreuzes äußern sich zunächst in funktionellen Verspannungsschmerzen im Lendenwirbelbereich. Bei zunehmender Knorpelschädigung der Facettengelenke ist im Röntgenbild eine Verschmälerung des Gelenkspaltes erkennbar, diese verschleiß-bedingten Schmerzen (Arthrose) können durch Schmerzmittel, muskel-entspannende Tabletten, Spritzen, Krankengymnastik und Reizstromtherapie sowie Wärmeanwendungen behandelt werden.

 

Auf dem Bild ist eine Röntgenschichtaufnahme eines Wirbels mit Facettengelenk zu sehen und eine Nadel, die das rechte Gelenk (Pfeil) anspritzt.

 

Wenn Betäubungsspritzen an den kleinen Wirbelgelenken erfolgreich sind, haben diese leider den Nachteil, dass sie nicht lange wirken. Durch die Beimengung von Cortison lässt sich die Wirkdauer dieser Spritzen auf mehrere Wochen ausdehnen. Darüber hinaus können wir eine Hitzebehandlung der Schmerznerven (Koagulationsbehandlung) anbieten. Hierbei wird über eine Spritze ein dünner Draht eingeführt, der die Schmerznerven, die an dem Facettengelenk sitzen, abtötet. Hierdurch können wir eine Schmerzminderung für bis zu über 6 Monate erreichen. Voraussetzung für die Wirksamkeit dieser speziellen Behandlung ist, dass die gezielten Schmerzspritzen in das kleine Wirbelgelenk erfolgreich waren und somit die Ursache des Rückenschmerzes hauptsächlich in diesem Bereich lokalisiert ist.

Instabilität (Wirbelgleiten)

 

Man unterteilt das Wirbelgleiten in ein echtes Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) und ein degeneratives Wirbelgleiten (Pseudolisthesis). Zu dem degenerativen Wirbelgleiten siehe auch unter Bandscheibenverschleiß. Bei dem echten Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) handelt es sich um einen Ermüdungsbruch im Übergang vom Wirbelbogen zum kleinen Wirbelgelenk (Interartikularportion).

 

Die Ursache ist eine übermäßige Belastung der Wirbelsäule, die zum Beispiel bei Turnern zu den o.g. Schäden führen. Daneben ist bei manchen Patienten diese Erkrankung auch angeboren. Im Röntgenbild zeigt sich eine Verschiebung der Wirbelkörper gegeneinander, die in vier Grade (nach Meyerding) eingeteilt werden. Bei geringgradigem Wirbelgleiten werden die auftretenden Rückenbeschwerden zunächst durch stabilisierende Krankengymnastik behandelt.

 

Hier muss der Patient versuchen, die Schädigung der Wirbelsäule durch einen verstärkten Muskelmantel auszugleichen. Wenn diese Therapie nicht ausreicht und besonders dann, wenn es zu Nervenreizsymptomen kommt, können wir eine operative Behandlung zur Wiederherstellung der Stabilität anbieten.

 

Eine neue Methode ist hierbei der Dynesis-Fixateur. Der Dynesis-Fixateur kann auch bei verschleißbedingter Instabilität eingesetzt werden. Bei dieser operativen Therapie wird, wenn nötig, der Rückenmarkskanal erweitert (bei Einengung des Rückenmarks) und ein Kunststoffpuffer zwischen zwei Schrauben bds. eingesetzt. Dieses System reduziert die Überbeweglichkeit und entlastet das geschädigte Wirbelsegment. Dadurch, dass dieses System flexibel ist wird die Überbeweglichkeit verringert aber nicht aufgehoben wie bei den herkömmlichen Systemen.

 

 

 

  Die Alternative wäre eine komplette Versteifung des Wirbelsegmentes, wie sie leider bei höhergradigen Instabilitäten notwendig ist. Im Rahmen dieser Stufentherapie wird die Versteifungsoperation durch uns nur von hinten durchgeführt.

 

Hierbei werden dann ebenfalls Schrauben eingesetzt, die mit zwei Stangen fixiert werden. Da diese Schrauben eine starre Verbindung darstellen, die sich auf Dauer lockern, muss der Bandscheibenraum ebenfalls stabilisiert werden. Dieses kann man von vorne durchführen, wir bevorzugen aber eine schonendere Methode von hinten. Bei dieser neuen Methode wird dann die Bandscheibe von hinten ausgeräumt und zwei kleine Metallkäfige, die mit Knochen gefüllt werden, im Bandscheibenraum aufgerichtet.

 

Nach einigen Monaten entsteht eine zunehmende knöcherne Durchbauung des Bandscheibenraumes und somit ist eine dauerhafte Stabilisation des Segmentes gewährleistet. Welcher Eingriff im Einzelfall notwendig ist, muss durch eine präoperative Diagnostik abgeklärt werden.

Tumor (Krebs)

 

Der erste entscheidende Schritt um festzustellen, um welche Art von Tumor es sich in der Behandlung von knöchernen Veränderungen der Wirbelsäule handelt, ist die Diagnosestellung.

 
 

Neben den konventionellen Röntgenaufnahmen sind deswegen meistens Schichtaufnahmen erforderlich (Computertomographie oder Magnetresonanztomographie). Auf dem MRT-Bild links sieht man den zerstörten Wirbel in der Mitte und wie der Tumor das Rückenmark einengt (das weiße Band). Nach der Entlastung des Tumors wird die Wirbelsäule mit Schrauben und Stangen gestützt, welches man auf dem Röntgenbild darunter sieht. Wenn diese Operation nicht durchgeführt wird, drohen Lähmungen, je nach Lage des Tumors der Arme, Beine, des Darmes und der Blase.

 

 

Weiterhin sind Untersuchungen zur Messung der Knochenaktivität (Szintigraphie erforderlich, um die Art des Tumors festzustellen. Hierbei müssen vor allem die gutartigen Tumore von bösartigen unterschieden werden. Die weitaus meisten Tumore an der Wirbelsäule sind Tochtergeschwulste von Tumoren, z. B. der Lunge und Brust, Nieren oder Prostata. Die zweite wichtige Frage, die zu klären ist wäre, ob die Knochenstruktur durch den Tumor so stark geschwächt ist, dass eine Bruchgefahr (Frakturgefahr) besteht oder der Knochen vielleicht schon gebrochen ist.

 

Wenn trotz der Röntgenaufnahmen eine eindeutige Klassifizierung des Tumors nicht möglich ist, wird im Zweifelsfall zunächst eine Probe entnommen. Hierzu wird eine dünne Nadel unter Röntgenkontrolle in den Wirbel geschoben und ein Gewebezylinder entnommen, der zur feingeweblichen Aufarbeitung eingesandt wird. Wenn nun hierdurch eindeutig die Art des Tumors bestimmt wurde, kann die weitere Therapie festgelegt werden. Die Behandlung der Tumore richtet sich nach der Art des Tumors.

 

Bei einigen gutartigen Tumoren braucht nur im Röntgenbild kontrolliert zu werden ob ein weiteres Wachstum vorliegt, von anderen weiß man, dass sie nicht weiter wachsen, so dass eine Kontrolle nicht erforderlich ist. Einige Tumore werden durch Medikamente oder Bestrahlung behandelt, bei aggressiven Tumoren oder der Gefahr eines Bruches mit Schädigung des Rückenmarkes ist allerdings eine Stabilisierung der Wirbelsäule mit Metallstangen erforderlich. In Einzelfällen sind wir auch gezwungen den betroffenen Wirbelkörper zu entfernen und durch eine Metallabstützung (Cage) zu ersetzen.

Vereiterung

 

Die Wirbelsäulenvereiterung ist relativ selten, nur 3% aller eitrigen Knochenerkrankungen sind an der Wirbelsäule lokalisiert. Oft kommt es nach einer bakteriellen Infektion im Lungen- oder Bauchraum zur Vereiterung eines Bandscheibenraumes mit dem benachbarten Wirbel. Besonders bei Immunerkrankungen oder schlechter Abwehrlage kann es zu einer Wirbelsäulenvereiterung kommen. Eine Vereiterung äußert sich als erstes durch Schmerzen, die auch ohne Belastung bestehen. Eventuell kann es zu Fieberschüben kommen.

 

Erkennen kann man eine Vereiterung am schnellsten durch Schichtaufnahmen (Magnetresonanztomographie). Weiterhin kann man durch eine Knochenstoffwechselmessung (Szintigraphie) eine Vereiterung der Wirbelsäule diagnostizieren. Im Röntgenbild sind, erst wenn die Bakterien Teile des Knochens weggefressen haben, Veränderungen zu sehen.

 

Wenn keine Abkapselung des Eiterherdes aufgetreten ist, kann man die Vereiterung mit Antibiotika und einem Korsett behandeln.

 

Falls unter dieser Therapie die Infektion weiter fortschreitet oder eine Abkapselung des Eiterherdes stattgefunden hat, ist eine operative Ausräumung des Eiterherdes erforderlich. Hierzu muss die Wirbelsäule von hinten stabilisiert werden (mit Schrauben und zwei Stäben), dann der Eiterherd von der Seite ausgeräumt werden. Das zerstörte Gewebe wird entfernt und ein Stück Knochen in den Defekt eingelegt, damit die Wirbelsäule vorne stabil zusammenwächst. Auf dem Röntgenbild links sieht man, dass die Grund- und Deckplatte der Wirbel in der Mitte durch die Bakterien weggefressen wurden.